Colitis ulcerosa: Wie alles begann

Wer selbst direkt oder indirekt von der Colitis ulcerosa betroffen ist, dem muss man nicht erzählen, was diese Krankheit ist, und auch nicht wie diese Krankheit in das Leben der Betroffenen eingreift. Ich nehme einfach mal an, dass jeder Besucher dieser Webseite hier ziemlich gut darüber informiert ist und erspare mir daher hier die medizinischen Details.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die 3-4 Wochen bevor meine jetzige Verlobte einen Kollaps erlitt, als Folge der durch die Colitis UIcerosa hervor gerufenen Symptome. Ich war damals (Mai-Juli 2003) während meines Studiums für ein Praktikum in Barcelona. Schon einige Zeit vorher hatte meine Freundin starke Beschwerden durch ihre Krankheit, nur wusste irgendwie keiner so richtig etwas davon. Alle dachten, ihre Niedergeschlagenheit und die dadurch folgende Unfähigkeit, sich aufzuraffen, sei einfach eine Art Bequemlichkeit oder Lustlosigkeit ihrerseits. In Wirklichkeit hätten wir gar nicht weiter von der Wahrheit entfernt liegen können. Tragische Folge unseres falschen Denkens war, dass wir – also die Leute in ihrem direkten Umfeld (v.a. Familie) – sie eher der Antriebslosigkeit/Lustlosigkeit beschuldigten, als die tatsächlichen Umstände zu erkennen und ihr zu helfen.

Die letzten beiden Wochen meines Praktikums in Barcelona kam sie mich besuchen. Sie war in einer kläglichen Verfassung: Ständig musste sie eine Toilette aufsuchen wegen der Colitis ulcerosa Symptome, was mit einem durchaus hohen Blutverlust einherging. Folge des Blutverlusts war natürlich dann auch diese ständige, große Niedergeschlagenheit. Es war für sie kaum daran zu denken, sich ausserhalb der eigenen vier Wände aufzuhalten, da ständig die Sorge bestand, im falschen Moment keine Toilette in Reichweite zu haben. Was musste die Ärmste nicht alles durchstehen… Natürlich war uns (also ihrer Familie) bewusst, dass hier etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Vermutlich hätten wir sie mehr dazu drängen sollen, einen Arzt aufzusuchen. Ich weiß noch, dass ich damals in Barcelona mit dem Gedanken gespielt hatte, dass sie zu einem Arzt oder in ein Krankenhaus gehen sollte. Getan haben wir aber in der Hinsicht nichts, vermutlich auch weil die Abreise aus Barcelona nur eine Frage von Tagen war, aber auch weil man sich in einem fremden Land mit einer fremden Sprache nicht wirklich auszudrücken weiß. Und wer weiß, ob die Krankenkasse überhaupt zahlen würde?

Wie dem auch sei: Im Juli 2003 sind wir dann nach meinem Praktikum gemeinsam nach Deutschland zurück gereist. Dort blieben wir nur ein paar wenige Tage, denn wir hatten zusammen mit meinem Bruder und seiner besseren Hälfte einen 5-tägigen Urlaub in den österreichischen Alpen geplant. Colitis Ulzerosa und Alpen: keine gute Kombination!

Der Urlaub gestaltete sich letztlich auch nicht gerade als schön: auch hier war alles von der schlechten gesundheitlichen Situation meiner besseren Hälfte abhängig. Sie versuchte natürlich, sich so gut wie möglich nichts anmerken zu lassen, zumindest den Anderen gegenüber. Aber auch bei unserer Begleitung konnte man eine gewisse Genervtheit feststellen, weil auch sie die Antriebslosigkeit meiner Freundin nicht richtig interpretierten, da sie sich der Krankheit eigentlich nicht bewusst waren. Auch bei den Wanderungen mussten wir ständig anhalten, damit sie Verschnaufpausen einlegen konnte. Während ich diese Zeilen schreibe und mit dem heutigen Wissensstand zurück blicke, so ärgere ich mich natürlich für mein damaliges Verhalten (= Unverständnis). Wir hatten es hier also mit einem leidenden Menschen zu tun, und aufgrund unserer Unwissenheit haben wir das körperliche Leiden noch um das psychische Leiden erweitert… 🙁

Nach dem Urlaub flog sie wieder zurück nach Griechenland, ihre Heimat.

Es dauerte nicht lange, genauer gesagt nur ein paar wenige Wochen, bis sich die Situation für sie zuspitzte. Der weitere, regelmäßige Blutverlust forderte schließlich logischerweise seinen Tribut. Ihre Mutter konnte sie überreden, nun doch endlich zu einem lokalen Arzt zu gehen. Dort angekommen dauerte es nicht lange, bis sie während der Untersuchung das Bewusstsein verlor. Natürlich wurde sie sofort in das nahe gelegene Krankenhaus gebracht.

Das ‚Abenteuer‘ sollte nun also beginnen… und die nächsten 10 Jahre sollte die Colitis ulcerosa ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens werden.

Weiter geht es mit der Diagnose im Krankenhaus, und dem verliebten Arzt…

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